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Ambidextrie und Pfizer BioNTech

Wirtschaftlichkeit heisst sparen: Um das, was man kann, möglichst günstig zu tun.

Wirtschaftlichkeit heisst investieren: Um fit für Veränderungen zu sein.

Das ist Ambidextrie – Beidhändigkeit

Je nach Situation gelten also komplett unterschiedliche Logiken. Sehr oft verstehen die Mitarbeitenden die Welt nicht mehr: „Bei uns wird am nötigsten gespart, während man mit Projekt X das Geld zum Fenster raus wirft.“ Wer als Führungskraft in dieses Klagelied mit einstimmt, landet unweigerlich in der Silofalle. Führungskräfte tun sehr gut daran, sich mit den unterschiedlichen Logiken auseinanderzusetzen.

Denn mit der Situation, gleichzeitig zu sparen und zu investieren, sind die meisten Organisationen konfrontiert. Schliesslich müssen sie das Geld von heute möglichst effizient verdienen, und gleichzeitig auf die Suche, wo das Geld von morgen fliesst. Die linke Hand muss sparen, während die rechte Hand investiert.

Doch damit nicht genug: In der Welt der linken Hand herrschen auch ganz andere Regeln, als in der Welt der rechten Hand. Es muss anders geführt werden, anders entschieden werden, anders geplant werden.

Die Welt der linken Hand – Effizienz

Diese Welt ist der Mehrheit der Führungskräfte bekannt. Ziel ist, das was man kennt und beherrscht möglichst kostengünstig zu reproduzieren. Es ist die Welt der Ziele, Erträge, Budgets, Kennzahlen, Optimierungsmassnahmen usw…

In dieser Welt ist die Unsicherheit relativ klein. Alles was man kennt und beherrschen kann, gehört in diese Welt. In der Regel geht es hier darum, Produkte und Dienstleistungen zu reproduzieren.

Die Welt der rechten Hand – Effectuation

Das Hauptproblem in dieser Welt ist: Die Ungewissheit ist enorm hoch. Wer ein Projekt zum 10. Mal plant, hat ein kompetentes Gefühl, wo es schwierig wird und wo sich Zeit- und Kostenpuffer lohnen. Wer etwas zum ersten Mal tut, hat dieses Gefühl nicht.

Was tun in solcher Unsicherheit? Menschen untersucht, wie erfolgreiche Menschen in solchen Situationen entscheiden und handeln. Genau so ist Effectuation entstanden: Über solche Dinge kann man übrigens nicht reden, man muss sie beobachten. Aus unzähligen Beobachtungen hat die Forschung vier Prinzipien abgeleitet:

  1. Prinzip der Mittelorientierung anstatt Zielorientierung
    Die Welt der linken Hand braucht Ziele und arbeitet mit Budgets und Plänen darauf zu. Die Welt der rechten Hand fragt sich: Worin sind wir gut? Welche Ressourcen haben wir?
  2. Prinzip des leistbaren Verlustes anstatt Ertrag
    Die Welt der linken Hand denkt in Business-Plänen und Return on Invest (ROI). Die Welt der rechten Hand fragt sich: Wie viel Investition können wir schlimstenfalls verschmerzen?
  3. Zufälle nutzen anstatt vermeiden
    Für die linke Hand ist das Ziel bekannt und alles Unvorhergesehene stört. Die rechte Hand versucht aus Zufällen Kapital zu schlagen
  4. Prinzip der Partnerschaften anstatt Konkurrenz
    Sind die Ziele bekannt, braucht es definierte Ressourcen, um diese zu erreichen. In der Welt der rechten Hand dagegen wird geschaut: Wer kann welchen Beitrag leisten?

Alles Theorie? Mitnichten. Im Januar 2020 sass Uğur Şahin, Vorstandsvorsitzender von BioNTech an seinem Küchentisch und entschied, dass Corona ein Zufall ist, den er nutzen wollte. Denn eigentlich war BioNTech daran, Krebsmedikamente zu entwickeln. 11 Monate später wurde der Impfstoff in der EU zugelassen. Die Prinzipien sind hier durchdekliniert.

Fazit

Es braucht gute Führungskräfte in der Welt der linken Hände.

Und es braucht mehr und mehr Führungskräfte in der Welt der rechten Hände.

Am meisten braucht es jedoch die Kompetenz bei allen Führungskräften, die beiden nebeneinander gedeihen zu lassen.

(Dieser Text ist inspiriert durch eine Weiterbildung bei Michael Faschingbauer)

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